Back @ Chx…

Nach der Matterhorn Aktion sind wir wieder zurück in Chamonix. Ausschlafen ist für den nächsten Tag angesagt. Lori ist bereits wieder motiviert etwas zu machen, ich hingegen bin froh über den Pausetag. Rücken und Knie schmerzen. Das Wetter ist gut gemeldet für die nächsten Tage, somit planen wir eine Tour für das Wochenende. Liv wird uns begleiten. Wir lassen uns von ihr inspirieren, denn sie kennt die Gegend bestens hier. Die Entscheidung fällt auf die Corvercle Hütte und das Angelique Colouir…

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In der Bildmitte das Angelique Colouir (schmale Rinne)

 

Lori versucht auf der Hütte einen Schlafplatz zu reservieren. Trotz ihrer sehr guten Französisch Kenntnisse bekommt sie leider eine Absage. Doch wir haben Glück. Liv kennt den Hüttenwirt und siehe da, wir dürfen doch dort nächtigen. Vitamin B hilft bekanntlich immer ;)…

Samstag 7. Mai 2016

Es ist ein wunderschöner Tag. Strahlend blauer Himmel, milde Temperaturen. Perfekt. Vor der Aiguille di Midi Bahn reiht sich eine unfassbar lange Schlange an Menschen. Kaum zu glauben, so viele Touristen! Wir treffen Liv am Bergführerschalter, sie organisiert Platzkarten. Leider habe ich meine Ec-Karte vergessen und habe nur die Kreditkarte bei mir. Blöderweise habe ich nicht bedacht, dass ich ja eine neue Karte besitze und ich dafür den Code nicht weiß. Ich tippe fälschlicherweise 2x den falschen Code ein, bis mir dies wieder in den Sinn kommt. Ohne Geld, schwierig. Jedoch haben Liv und Lori genügend Moneten, dass wir über die Runden kommen sollten. Wie sich später herausstellt, kann man auf der Hütte mit Plastikgeld bezahlen, also alle negativen Gedanken umsonst 😉

Liv bezirzt den Liftler und fragt nach, ob wir nicht schon früher mit der Bahn hoch fahren können. Ansonsten müssten wir nämlich eine Stunde warten… Gutes Karma, er lässt uns durch…

Wir fahren mit der Bahn hoch. Wie immer eindrucksvoll das sensationelle Panorama, die zerfurchten Gletscher, die freistehenden Felsnadeln…

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Abfahrt über den Glacier du Geant bis zur Abzweigung Refuge du Couvercle. Anfellen und Kleidung entledigen. Es ist brütend heiß an diesem frühen Nachmittag. Die Mädels gehen in ihren Leggins, schaut lustig aus, macht aber Sinn bei dieser Hitze. Ich nehme mir Zeit, Liv und Lori steigen schneller auf. Genieße die Ruhe und die Langsamkeit um die faszinierende Umgebung aufzusaugen. Wunderschön hier!

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Grandes Jorasses

 

Weiter oben warten die Mädels auf mich. Es ist nicht mehr weit bis zur Hütte. Als wir unser heutiges Ziel erreichen, sind bereits viele Bergsteiger vor Ort, trocknen auf der Terrasse ihre Felle, ihre stinkigen Schuhe etc… Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre…. Die Aussicht – sensationell!

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Photo: Lorraine Huber

 

Wir verbringen den Nachmittag mit dehnen, lesen, Tour planen. Untergebracht sind wir in einem Massenlager mit ca 40 anderen Personen. Na bravo. Das kann ja heiter werden…

Pünktlich um 19 Uhr gibt es Abendessen. Köstliches Hüttenessen, sehr lecker! Unsere Tischnachbarn fragen uns wo wir hin möchten. 80% der Bergsteiger hier wollen nämlich das Whymper Colouir besteigen. Wir haben andere Pläne. Allerdings müssen wir diese verwerfen, denn der Bergführer zeigt uns Bilder vom Angelique Colouir. Sieht nach einer durchfurchten Sluffbahn aus, wo es nicht unbedingt Spass macht abzufahren. Somit planen wir um und möchten am morgigen Tag den Col de Droites besteigen. Der Zeitplan bleibt gleich. 4 Uhr morgens Start. Juhuuu 😉 (Ich bin einfach ein Morgenmuffel…)

Auf der Hütte herrscht Wasserknappheit. Daher gibt es nur Wasser aus der Plastikflasche und das Hütten-WC befindet sich unter freiem Himmel. Grundsätzlich kein Problem. Nur wenn die Blase öfters drückt ist der Weg weit…

Wir legen uns gegen 22 Uhr schlafen. Es gibt ein Schnarchkonzert deluxe. Wie immer kann ich nicht einschlafen, wenn es so laut ist. Dann drückt noch die Blase. 3x muss ich in der Nacht raus, neuer Rekord! OMG!

In den frühen Morgenstunden gibt es ein spärliches Frühstück. Hauptsache Nutella am Brot, dann ist der Tag schon gerettet. Wir starten in der Dunkelheit, jedoch sind die Umrisse der Berge gut erkennbar. Im Lichterkegel unserer Stirnlampen fahren wir bei harten Bedingungen einige Höhenmeter ab. Wir deponieren alles nicht brauchbare Material an einem Felsen, fellen auf und marschieren los. Eine fast meditative Stille, nur das Gleiten unserer Ski, Schritt für Schritt ist hörbar. Der Blick nach oben lässt eine Lichterkette von Bergsteigern im Whymper Colouir erkennen. Im Hintergrund leuchtet uns der Mont Blanc entgegen…

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Photo: Lorraine Huber

 

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Die Bedenken, dass die geplante Route nur über eine schmale, felsige Rinne passierbar sei, sind nun beiseite geräumt, da sich eine zusätzliche Aufstiegsvariante auftut. Dies war von der Hütte nicht einzusehen…

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Während der erste Abschnitt zwar hart aber gut bewältigbar ist, folgt eine Passage wo wir uns enorm quälen müssen. Ein Feld bestehend aus harten, gefrorenen Schneebällen über mehrere hundert Höhenmeter. Auch dies bringen wir hinter uns. Doch Liv und Loris’ Motivation scheint verflogen. Es ist 8 Uhr und die Beiden möchten nicht mehr weiter. Die Bedingungen sind einfach nicht sonderlich gut. Während ich langsam nachkomme und schon noch motiviert wäre, entscheiden wir gemeinsam umzudrehen. Es macht einfach keinen Sinn. Stattdessen setzen wir uns in die Sonne und fahren bei recht passablen Schneebedingungen ab. Uns steckt auch noch die Anstrengung vergangener Tage in den Beinen, manchmal sind Pausen einfach goldwert…

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Photo: Lorraine Huber
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Photo: Lorraine Huber
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Liv / Photo: Lorraine Huber

 

 

 

Am Ende des Mer de Glace treffen wir durch Zufall auf Livs’ Freund Nils. Gemeinsam steigen wir über die mehreren hundert oder sind es tausend (?) Stufen zur Gondel. Ich sollte mal zählen, dann weiß ich das auch… 😉

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Mel, Lori, Liv

 

Vor dem Einstieg zur Montenvers Bahn noch ein Hoppala. Mein Skiticket war nur für den gestrigen Tag gültig. Somit leuchtet es rot beim Durchgang. Sich blöd stellen hilft immer… Der Liftler weist mich zurück und bittet mich zu bezahlen. Als ich von den anderen Geld holen will und zurück komme hat er doch Mitleid mit mir und lässt mich gratis durch 😉 Glück gehabt – merci beaucoup monsieur!

Wir lassen den Tag gemütlich auf der Terrasse vom Moo’s ausklingen. Nat schaut mit einem jungen Mädel vorbei auf die sie aufpasst, schön war’s danke!

Die Vorstellung bei diesen warmen Temperaturen wieder in die Skitourenschuhe zu müssen ist mir ein Gräuel. Somit spaziere ich barfuss durch die Straßen. Wie herrlich…

Den nächsten Tag verbringen wir beim Klettern am Fuße des Mont Blanc im Klettergarten Les Gaillands. Traumhaft gelegen und easy zugänglich. Perfekt für Körper und Geist, doch ich merke, dass mein Körper eine Pause benötigt. Ich war einfach sehr viel unterwegs die letzten Monate, ich bin müde. Am nächsten Tag geht es zurück in die Heimat…

Danke Lori & Liv, es war eine super Zeit!!!!